Review

Xbox 360-Review

SEGA Rally

veröffentlicht am Sonntag, den 20. September 2009 von Thomas Frank
Entwickler
SEGA Racing Studio
Genre
Arcade-Racing
Erscheinungsdatum
28. September 2007

Ihr steht auf ultrarealistische Schadensmodelle, anpassbare Stoßdämpfer und einstellbare Scheibenwischer? Dann empfiehlt es sich nun ganz schnell weiterzuklicken, denn all das sucht ihr bei SEGA Rally vergebens. Stattdessen wartet die Wiederauflebung des Klassikers mit superben Schlammschlachten bei wirklich packenden und fordernden Rennen auf.

Die letzten werden die ersten sein
Ich stehe am Start des ersten Rennens der AZA Challenge. Mein Auto glänzt wunderbar in der stechenden Mittagssonne hier in der Savanne. Die Motoren meiner fünf Rivalen vor mir heulen auf und mein Beifahrer zählt den Countdown runter: 3, 2, 1 – LOS! Ich trete das Gaspedal bis zum Anschlag durch, guter Start! Den Ford hab’ ich schon mal hinter mir gelassen. Es geht eine kleine Steigung mit leichter Links-Kurve hinauf, ich lenke zu stark ein und klebe sogleich am Reifenhaufen. Bisschen arg empfindlich, die Steuerung. Und wieder letzter. Es folgt eine wirklich lange Rechts-Kurve, ich kann fast nichts sehen. Der Ford wirbelt so viel Staub auf! Da, 90-Links. Ich nehme sie fast ohne Geschwindigkeitsverlust. Die Steuerung ist eigentlich gar nicht so übel. Bin schon Vierter. Die Harnadel-Kurve versuch ich mit Einsatz der Handbremse. Klappt super, dritter Platz! Auf der langen holprigen Gerade zeigt mein Subaru, was in ihm steckt – dagegen hat der Mitsubishi keine Chance. Verdammt, Schlamm! Mein Wagen buddelt sich im Matsch ein, hinterlässt Furchen und wird mächtig dreckig. Zum Glück kommt da vorne ’ne Pfütze. Die macht meine Karre wieder schön sauber, dafür aber auch langsamer, sodass der olle Mitsubishi gleich wieder vorbeischürt. Gleich bin ich wieder am Startpunkt. Ich kenne Strecke schon besser und die Kurve an der Steigung versau ich nicht noch einmal! Bis zur langen Gerade hab’ ich mich auf den zweiten Platz vorgearbeitet. Die Furchen im Schlamm sind nun mit Wasser gefüllt, da fahr ich lieber nicht mehr durch. Der Škoda vor mir hat’s drauf, aber dass ich ihn in der Harnadel-Kurve in Abgrenzung schubs, hätte er nicht gedacht. Erster. Den Rest fahre ich souverän – der Sieg ist mein!

Wahnsinn! Das erste Rennen ist vorbei – was habe ich geschwitzt. SEGA Rally zieht euch wirklich von Anfang an in seinen Bann. Den Entwicklern ist es gelungen, das Flair des Saturn-Originals nach den eher mageren anderen Fortsetzungen wieder perfekt einzufangen. Das bedeutet im Klartext: Nervenauftreibende Rennen und leichte Zugänglichkeit bei schriller Arcade-Atmosphäre mit kräftigen Farben. Einfach losfahren und Spaß haben heißt hier die Devise.

Ob nun in einem verschlafenen Dörfchen in den Alpen, im tiefen Dschungel, der eisigen Antarktis, in Canyon-Schluchten oder der staubtrockenen Savanne – egal, überall wird mit den Boliden über Stock und Stein geheizt und bleibende Schäden hinterlassen. Und das wortwörtlich, denn SEGA Rally bietet als erstes Spiel überhaupt das revolutionäre „Terra-Forming“-Feature. Dieses sorgt dafür, dass keine Runde der anderen gleicht. Ist ein zugefrorener See anfangs noch mit Schnee bedeckt, wird die zweite Runde auf blankem Eis zur reinsten Rutschpartie. Tiefe Furchen bilden sich im Schlamm, die euch abbremsen und sich wohlmöglich mit Wasser füllen, Spurrillen entstehen im Sand. Das macht nicht nur optisch einiges her, sondern beeinflusst auch das Verhalten eurer Autos stark. Eine exzellente Bereicherung, die jedes Rennen nochmals spannender macht und künftig wohl häufiger zu finden sein wird.

Ich höre was, das du nicht siehst
Damit keine Kurve überraschend kommt und ihr eure PS-Monster nicht überall anecken lasst, sagt euch euer Beifahrer den Streckenverlauf zuverlässig voraus. Nur dumm, dass ihr ihn zwar hört, euch aber nur alleine im Auto seht.

Im Prinzip bräuchtet ihr ihn auch gar nicht. Denn es gibt insgesamt nur 16 Strecken (je Szenario drei + eine Bonusstrecke). Gegenüber dem Original, das mit gerade mal drei Strecken (+ eine Bonus) aufwartete, ist dies natürlich trotzdem eine beachtliche Verbesserung. Die überschaubare Streckenanzahl kommt jedoch dem Spieler zugute: Die Strecken werden im Laufe des Spiels relativ oft wiederholt, wodurch ihr sie allmählich verinnerlicht und so einen entscheidenden Vorteil im späteren Spielverlauf habt. Denn der Schwierigkeitsgrad ist wirklich nicht ohne und mit der Künstlichen Intelligenz nicht zu spaßen; sie schreckt auch nicht zurück euch eiskalt in die Streckenbegrenzung zu befördern.

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